Prüfplan
Reparieren oder tauschen? Der Prüfplan für Ihre alte Heizung
Was ist kaputt, wie steht es um den Rest, wie lange soll die Anlage noch laufen, was kostet sie im Jahr? Der Prüfplan in Handgriffen.
Ob sich eine Reparatur noch lohnt, entscheiden vier Fragen: Was genau ist kaputt, in welchem Zustand ist der Rest der Anlage, wie lange soll sie noch laufen und was kostet sie im Betrieb? Wer diese Fragen der Reihe nach abarbeitet, entscheidet nicht unter dem Druck einer kalten Wohnung, sondern nach Befund. Hier ist der Prüfplan – mit Handgriffen, die Sie selbst erledigen können.
Vorbereitung: Diese Unterlagen holen Sie heraus
Bevor Sie prüfen, sammeln Sie, was Sie schon haben. Das dauert selten lange und spart später Rückfragen:
- Typenschild am Gerät fotografieren: Typ und Baujahr stehen in der Regel darauf.
- Wartungsprotokolle und Rechnungen früherer Reparaturen zusammensuchen.
- Messprotokoll des Schornsteinfegers heraussuchen.
- Verbrauchsabrechnungen der letzten Jahre bereitlegen.
- Kostenvoranschlag für die anstehende Reparatur schriftlich anfordern.
Handgriff: Legen Sie alles in eine Mappe. Sie brauchen sie auch, falls Sie sich am Ende für einen Austausch entscheiden.
Prüfpunkt 1: Was genau ist defekt?
Lassen Sie sich den Fehler genau benennen. Zeigt das Gerät einen Fehlercode an, notieren Sie ihn.
| Der Defekt betrifft … | Beispiele | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| ein Verschleißteil | Zündelektrode, Dichtung, Sensor | Reparatur meist überschaubar, die Anlage bleibt ansonsten, wie sie ist |
| ein Kernbauteil | Wärmetauscher, Brenner, Regelung | Reparatur kann teuer werden – Austausch ernsthaft prüfen |
| die Abgasführung | Abgasrohr, Schornsteinanschluss | kann Auflagen des Schornsteinfegers nach sich ziehen – vor der Reparatur klären |
Notieren: Defekt, betroffenes Bauteil, Preis laut Kostenvoranschlag.
Prüfpunkt 2: Gibt es noch Ersatzteile?
Bei älteren Geräten werden Ersatzteile irgendwann knapp. Fragen Sie den Betrieb direkt: Ist das Teil lieferbar, und wie sieht es bei den übrigen Verschleißteilen aus?
Handgriff: Bitten Sie um die Antwort in Schriftform, idealerweise direkt im Kostenvoranschlag. Ist ein wichtiges Teil schon heute schwer zu bekommen, wird die nächste Reparatur nicht leichter.
Prüfpunkt 3: Wie ist der Zustand der übrigen Anlage?
Ein einzelner Defekt sagt wenig über den Rest der Anlage. Prüfen Sie bei Ihrem nächsten Gang in den Heizraum:
- Wasserspuren oder Rost am oder unter dem Gerät?
- Druckanzeige: Müssen Sie öfter Wasser nachfüllen, weil der Druck fällt?
- Geräusche: Klopft, pfeift oder rauscht es mehr als früher?
- Störungen: Wie oft ist die Anlage in den letzten Wintern ausgefallen?
- Messprotokoll: Stehen dort Mängel oder Hinweise des Schornsteinfegers?
Auswertung: Ein Ja ist ein Hinweis, mehrere sind ein Muster. Dann sollte der Betrieb die gesamte Anlage beurteilen, nicht nur das defekte Teil.
Reparieren oder tauschen – was rechnet sich bei Ihnen?
Der Fachbetrieb sieht sich Ihre Anlage an und stellt Reparatur und Wärmepumpe mit Kosten, Förderung und Verbrauch nebeneinander.
Kostenlos und unverbindlich. Es meldet sich der Fachbetrieb, der diese Website betreibt – Name und Anschrift stehen im Impressum.
Prüfpunkt 4: Wie lange soll die Anlage noch laufen?
Eine Reparatur ist eine Investition in die Restlaufzeit. Fragen Sie sich deshalb, was Sie mit dem Haus vorhaben: selbst weiter bewohnen, umbauen, vermieten oder verkaufen?
Rechtlich gilt seit dem 29.07.2026 das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Das bisher vorgesehene Betriebsende für Öl- und Gasheizungen im Jahr 2045 ist gestrichen, und eine neue fossile Heizung darf wieder eingebaut werden (ADAC). Für neu eingebaute fossile Heizungen gilt die „Bio-Treppe“: Ihr Biobrennstoff-Anteil muss von 10 % im Jahr 2029 schrittweise wachsen – über 15 % (2030) und 30 % (2035) bis auf 60 % im Jahr 2040.
Handgriff: Schreiben Sie auf, wie viele Winter die Anlage noch durchhalten soll. Je kürzer dieser Zeitraum, desto weniger sollte die Reparatur kosten dürfen.
Prüffrage: Würden Sie die Anlage nach dieser Reparatur noch ein weiteres Mal reparieren lassen? Wenn nein, ist die jetzige Reparatur eine Brücke – und sollte auch so kalkuliert werden.
Prüfpunkt 5: Was kostet die Anlage im Betrieb?
Eine Reparatur stellt in der Regel die Funktion wieder her, nicht die Effizienz. Die laufenden Kosten bleiben deshalb meist, wie sie waren:
- Gaspreis: Im September 2026 lag der Neukundenpreis im Mittel bei 10,98 ct/kWh, die Grundversorgung kostete 13,60 ct/kWh (LichtBlick).
- CO₂-Preis: Jede Kilowattstunde Erdgas trägt 2026 einen Aufschlag von 1,31–1,55 ct. Laut Kabinettsentwurf ändert sich am Korridor von 55–65 € je Tonne auch 2027 nichts; ab 2028 entscheidet der Markt (heizsparer).
- Nebenposten: Grundpreis, Wartung und Schornsteinfeger – diese Werte stehen in Ihren eigenen Rechnungen.
Handgriff: Markieren Sie auf Ihrer letzten Jahresabrechnung den Verbrauch in kWh und den Arbeitspreis. Liegt Ihr Preis näher an der Grundversorgung als am Neukundenschnitt, prüfen Sie zusätzlich einen Tarifwechsel – egal, wie Sie sich bei der Heizung entscheiden.
Wie Sie aus diesen Werten Ihre Jahreskosten ermitteln, zeigt der Rechenbogen Was kostet die alte Gasheizung im Jahr?. Dort steht auch eine Beispielrechnung gegen die Wärmepumpe.
Prüfpunkt 6: Was würde der Austausch kosten?
Erst der Vergleich macht die Reparatur bewertbar. Laut enerix liegt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus inklusive Montage bei 25.000–35.000 € (Stand September 2026). Im Altbau können die Entsorgung der Altanlage (500–2.000 €), neue Heizkörper (1.000–3.000 €) oder Arbeiten an der Elektrik (500–2.000 €) hinzukommen.
Dagegen steht die KfW-Förderung: 30 % Grundförderung, für Berechtigte bei Antrag bis zum 31.01.2027 dazu 16 % Klimageschwindigkeitsbonus und je nach Einkommen ein Einkommensbonus. Die Summe aller Bausteine ist auf 70 % gedeckelt, Haushalte mit niedrigem Einkommen können bis 80 % erreichen (ADAC, finanznachrichten). Eine neue Gasheizung wird nicht gefördert.
Handgriff: Lassen Sie sich parallel zum Kostenvoranschlag ein Angebot für den Austausch machen. Was ein Aufschub an Förderung kostet, rechnet der Beitrag Reparatur als Brücke vor.
Drei Fehler, die Sie vermeiden sollten
- Am Telefon zusagen: Eine Reparatur ohne schriftlichen Kostenvoranschlag lässt sich nicht vergleichen.
- Nur Preis gegen Preis stellen: Wer den Reparaturpreis allein mit dem Neupreis vergleicht, lässt Förderung und Betriebskosten außen vor.
- In der Kälte sofort bestellen: Wer unter Druck eine neue Anlage beauftragt, bevor der Förderantrag gestellt ist, riskiert den Zuschuss.
Die Entscheidungstabelle
Gehen Sie Ihre Notizen Zeile für Zeile durch und schauen Sie, auf welcher Seite die meisten Befunde landen:
| Befund | spricht für Reparatur | spricht für Austausch |
|---|---|---|
| Defekt | Verschleißteil | Kernbauteil |
| Ersatzteile | lieferbar | knapp oder nicht mehr erhältlich |
| Zustand | sonst unauffällig | mehrere Warnzeichen |
| Restlaufzeit | Tausch ohnehin bald geplant | Anlage soll noch viele Winter laufen |
| Laufende Kosten | niedriger Verbrauch, günstiger Tarif | hoher Verbrauch, hohe Jahreskosten |
Auswertung: Stehen die meisten Befunde rechts, lassen Sie sich ein Austauschangebot machen, bevor Sie die Reparatur beauftragen. Stehen sie links, ist die Reparatur gut begründet.
Reparieren oder tauschen – was rechnet sich bei Ihnen?
Der Fachbetrieb sieht sich Ihre Anlage an und stellt Reparatur und Wärmepumpe mit Kosten, Förderung und Verbrauch nebeneinander.
Kostenlos und unverbindlich. Es meldet sich der Fachbetrieb, der diese Website betreibt – Name und Anschrift stehen im Impressum.
Eine Reparatur ist keine falsche Entscheidung, wenn sie zum Befund passt. Mit diesem Prüfplan wissen Sie, ob sie das tut – und führen das Gespräch mit dem Betrieb anhand Ihrer eigenen Notizen.
Häufige Fragen
Wann lohnt sich die Reparatur einer alten Heizung nicht mehr?
Wenn ein Kernbauteil wie der Wärmetauscher defekt ist, Ersatzteile knapp werden, sich Störungen häufen oder die Anlage ohnehin bald ersetzt werden soll. Dann fließt das Reparaturgeld in ein Gerät mit begrenzter Zukunft.
Wird eine neue Gasheizung gefördert?
Nein. Für neue Gas- und Ölheizungen gibt es aus der KfW-Heizungsförderung kein Geld (ADAC). Gefördert wird zum Beispiel die Wärmepumpe – mit 30 % Grundförderung und weiteren Boni je nach Antragstag und Einkommen.
Muss ich meine alte Gasheizung austauschen?
Ein pauschales Datum, ab dem Öl- und Gasheizungen abgeschaltet werden müssen, kennt das Gebäudemodernisierungsgesetz nicht mehr (ADAC). Ob für Ihre Anlage im Einzelfall Pflichten bestehen, kann Ihnen Ihr Schornsteinfeger sagen.
Welche Unterlagen brauche ich für die Entscheidung?
Das Typenschild, Wartungs- und Messprotokolle, Rechnungen früherer Reparaturen, die Verbrauchsabrechnungen mehrerer Jahre und einen schriftlichen Kostenvoranschlag für die anstehende Reparatur.
Quellen
- ADAC: Heizungsgesetz – was das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ändert (Quellenstand 29.07.2026)
- ADAC: KfW-Heizungsförderung – was sich ab 21. Juli 2026 ändert (Quellenstand 21.07.2026)
- finanznachrichten: Neue KfW-Heizungsförderung – was jetzt gilt und warum der Zuschuss ab 2027 weiter sinkt (Quellenstand 21.09.2026)
- LichtBlick: Aktueller Gaspreis pro kWh (Quellenstand 01.09.2026)
- heizsparer: CO₂-Preis 2027 – Heizöl und Gas (Quellenstand 02.09.2026)
- enerix: Wärmepumpe – Kosten (Quellenstand 29.09.2026)